Traumforschung

Träume sind wie Reisen im Zeitraffer. Mit zunehmendem Alter kann ich mich immer besser an die Träume erinnern. Gemäss der Traumforscherin Inge Strauch ist in den männlichen Träumen die Berufswelt sehr wichtig, während die Frauen häufiger von ihren kleinen Kindern träumen. Mit der Entdeckung des REM-Schlafs war es der Forscherin möglich, im Schlaflabor die Probanden gezielt in jenen Schlafphasen mitten in der Nacht zu wecken, in denen sie sich besonders gut an Träume erinnern können. Über das Wetter werde im Traum nicht diskutiert. Smalltalk, der im wachen Leben auf Partys eine wichtige Rolle spielt, finde im Traum allgemein nicht statt. Die Frage nach dem Sinn von Träumen sei jedoch genauso schwer zu beantworten wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Manche glauben, dass wir nachts im Schlaf einfach Informationen verarbeiten und unsere Eindrücke des Tages — seien sie nun negativ oder positiv — sortieren und einordnen. Im Informatik-Jargon gesagt werden Gedächtnisinhalte in verschiedene Speicher verschoben.

Traumdeutung

Die Traumdeutung ist eine spannende Sache, aber wissenschaftlich nicht unbedingt gesichert. „Beim Träumen werden unsere geheimen Wünsche sichtbar“; diese Theorie von Freud wird durch neuere Studien in Frage gestellt. Was das Deuten von Träumen betrifft, so sind wir vorsichtig geworden, da man Träume nie ganz verstehen kann.

Der Schnee ist ein Symbol der Reinheit, wir träumen von weissen Weihnachten; er kann aber auch ein Symbol des Todes sein. Es schleckt keine Ziege weg: wir verarbeiten einfach unsere Eindrücke oder Tagesresten. Dazu ein Traum-Beispiel: einer Mutter im hohen Alter geht es schlecht. Wir planen eine Abwesenheit wegen Ferien und möchten ihr kommunizieren: „Muetti, wir gehen in die Ferien und werden in zwei Wochen wieder zurück sein“. Da sie ihr Hörgerät nicht trägt, kann sie uns nur schlecht verstehen. Sie entfernt sich einfach und verschwindet in einem anderen Raum. Ich versuche daher nochmals, sie zu informieren, und bemerke schliesslich, dass sie hinter einer Mauer verschwunden ist. Hier ist der Traum zu Ende und ich denke, das könnte den kommenden Tod ankündigen. Aber sie erholt sich wieder und blüht im Alter von 95 Jahren nochmals auf. Die Traumdeutung hat sich also nicht bestätigt, der Traum hat einfach unsere Eindrücke gespiegelt.

Traumsymbole

Ein weiteres Traumsymbol — neben dem Schnee — ist das vermisste Auto. Eine Fachpsychologin schreibt dazu: Der Traum beschreibt, dass Sie Ihr Auto nicht finden. „Auto“ wird oft als „Selbst“ gedeutet – Sie könnten sich also fragen, ob Sie zu dieser Zeit damals Schwierigkeiten hatten, Ihren eigenen Weg zu finden. Im Internet kann man auf tausende solcher Traumsymbole stossen: Schnee, vermisstes Auto, Bergbahn, Schnellzug, Rucksack, Mobiltelefon, Schlaf, ohne Schuhe, Berggrat oder Abhang, Verfolgung, Verspätung, Zahnausfall, Fliegen wie ein Vogel, erfolglose Suche, Reisen, Fahrrad, unterwegs, Ziel nicht erreichen, Höhle usw.

Das Fliegen wie ein Vogel ist weit verbreitet. Solche Träume sollen den Freiheitsdrang symbolisieren, der bei Männern stärker ausgeprägt ist. Nun sieht man seine Welt von oben — grüne Welt aus der Vogelperspektive. Auch eine erfolglose Suche kommt recht häufig vor. „Suchen und nicht finden“ kann in der psychologischen Traumdeutung für Herausforderungen stehen, welchen sich der Träumende nicht gewachsen fühlt. Die Reisen im Traum lassen uns fragen: Wohin im Leben bin ich unterwegs? Wohin im Leben will ich gelangen? Träume, in denen wir ein Ziel nicht erreichen, sind relativ häufig. Ein beschädigtes Fahrrad mahnt zur Vorsicht. Unterwegs sein kann aber befreien. Das Traumsymbol hat keine absolute Bedeutung, sondern eine positive (die Bewegung) und vielleicht eine negative: werde ich mein Ziel erreichen?  Eine Reise im Traum ist ein sehr starkes Bild, das ebenso häufig vorkommt wie die Suche nach einem verlorenen oder vergessenen Gegenstand. Eine Höhle ist einerseits ein sicherer Rückzugsort, wird andererseits in verschiedenen Kulturen mit negativen Veränderungen verbunden. Die Traumdeutung kennt also keine absoluten Wahrheiten. 

Senioren

Im Alter schläft man nicht mehr so tief; die einzelnen Träume dauern etwa 10 bis 20 Minuten. Ich kann die Dauer feststellen, weil ich vor und nach dem Traum jeweils kurz aufgewacht bin. Wir träumen also im Zeitraffer. Obwohl im Ruhestand träume ich immer noch von der Arbeitswelt, den Arbeitskollegen, von Computern und Druckern, vom Einzelbüro, vom Datenschutz und der fehlenden Sicherheit, sowie von gesuchten und vermissten Dokumenten und verschollenen Statistiken. Über den Daumen gepeilt handelt jeder zweite Traum des Seniors von seiner früheren Arbeitswelt. Dass ich hingegen immer noch vor den Matura-Prüfungen (Abitur) stehe, träume ich seit der Pensionierung nicht mehr, jedoch von der Jugendzeit im Internat, die enorm prägend war. Der Traum spiegelt also das Leben. Entscheidend sind die Biografie und deren Umbrüche.

Beitrag: Traumtagebuch und Blog

Träume sammeln

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s